Donnerstag, 18. September 2014

Ausflugtipp: Dorsten | Auf den Spuren von Zeche und Hanse

Eigentlich wollten wir nach Essen, um bekannten Comicfiguren beim Quatsch machen zuzusehen und den Patensohn zu bespaßen. Dem Patensohn war aber nicht nach Spaß und schon gar nicht nach lange Auto fahren. Machte aber gar nix, blieben wir halt in der Heimatstadt. Da kann man sich nämlich auch einen schönen Nachmittag machen. Auch mit Kleinkind.

Wie ich schon öfter hier erwähnt habe, ist Dorsten eine Zechenstadt. Die Spuren sind, wie in anderen Pottstädten auch, noch heute sichtbar und (an vielen Stellen zum Glück) gut erhalten. Dorsten ist aber auch eine Kleine Hansestadt. Zu Zeiten der Hanse hatten die Dorstener Handelsleute dank der guten Lage an der Lippe Zutritt zu den Hansekontoren und Niederlassungen aller Hansestädte. Wieder was gelernt!

Die Lippe war dann auch unser erstes Ausflugsziel. Am Elternhaus meines Opas vorbei, von der Baldurstraße ab und schon stehen wir an einem Bach mit einem kleinen Wasserfall. Idylle pur!



Noch 200 Meter an der Pferdewiese vorbei und da ist sie: die Lippefähre. Ich hatte schon viel davon gelesen, jetzt wurde es Zeit, an Bord zu gehen! Wir hatten Glück: die Fähre hatte gerade angelegt. Gut für uns, denn das Teil wird mit Muskelkraft bedient. Ich musste leider Fotos machen, die Freundin durfte also ran.





Die Lippe ist an dieser Stelle nicht sehr breit, die Überfahrt ist also sehr gut machbar. Und man hat einen schönen, idyllischen Ausblick auf das Wasser und die Landschaft.

Drüben angekommen, spazierten wir Steine sammelnd an einem Bauernhof vorbei bis an das nächste Gewässer: den Kanal. Der wiederrum war Ziel vieler Ausflüge in meiner Kindheit und Jugend. Spazieren bis zur Schleuse, Kanu fahren und geschwommen wurde auch. Soweit ist der Patensohn aber noch nicht und langsam wurden wir auch hungrig, also ging es im Kleinkindtempo wieder zurück zur Fähre. Tja. Die hatten uns grade ein paar Radfahrer weggeschnappt und sie stand am anderen Ufer. Also hieß es Ärmel hoch und kurbeln! Uff. Und dann auch direkt wieder rüber. Herrje. Anstrengend, aber Spaß hat's gemacht!





Leicht transpirierend ging es dann weiter zur nächsten Station: der Gartenstadt Zechensiedlung im Stadtteil Hervest. Da wurde zu Beginn des letzten Jahrhunderts eine attraktive Siedlung für die Bergleute der damals neuen Zeche Fürst Leopold im Gartenstil gebaut. Und es ist so schön da!






A propos Zeche Fürst Leopold: hier wurde 1903 die erste Kohle gefördert, 98 Jahre später wurde die Anlage endgültig geschlossen. Seit 2013 findet man auf dem Gelände das Creativ Quartier Fürst Leopold mit Galerien, Gastronomie und sehr viel Herzblut.
Zufällig fand an diesem Wochenende auch das Sommerfest mit Kunst- und Handwerkmarkt statt, auf dem ich mich direkt mit Bärlauchpesto aus dem Allgäu und den ersten Weihnachtsgeschenken eindeckte.




Und wenn wir schon bei Weihnachten sind: das Ambiente der Anlage würde sich optimal für einen gemütlichen Weihnachtsmarkt eignen. Ich habe mich mit mehreren Ausstellern des Sommerfestes unterhalten, die gleicher Ansicht waren. Allerdings scheint der Bürgermeister da einen Strich durch die Rechnung zu machen. Sehr schade!

Den Abend ließen wir mit importiertem Bergmann Bier und einem anhänglichen Kater ausklingen, der dann auch gleich die Nacht auf meinen Beinen verbrachte. Es war grandios. Alles.

Und wie der Opa am Brunnen in der Zechensiedlung sagte: "Jetz is alle!"

1 Kommentar:

  1. Hach ja..da seufz ich gleich mal. Wie schön die Heimat sein kann, oder? Ich muss aber ehrlich zugeben, dass ich mir meine Stadt dann doch nochmal genauer ansehen muss. Man nimmt vieles einfach gar nicht mehr so bewusst war, weil es so selbstverständlich ist. :-)
    Liebe Grüße aus Dorsten, Kathy

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