Samstag, 12. April 2014

Dorsten. Der Heimat mal wieder Hallo sagen.


Dass ich aus Dorsten komme und dieser Stadt durchaus mit Sympathie begegne, auch wenn das vielleicht nicht jeder verstehen kann, habe ich ja bereits hier beschrieben. Die Stadt ist sicher keine Schönheit und gehört wahrscheinlich zu den häufigen Fällen im Pott, die man nur richtig lieben kann, wenn man in ihr aufgewachsen ist. Ich für meinen Teil habe in meinen ersten 23 Lebensjahren und auch noch danach ziemlich mit jeder Ecke Erinnerungen verknüpft. Die Schulbushaltestelle mit den Pommesautomaten (weg), die Freistunden im Einkaufzentrum (abgerissen), der Lippedeich, auf dem sich nachts eine Freundin ordentlich aufs Maul gelegt hat (Abiparties... lange her), Woolworth (Wollwort) in der Innenstadt - heute ist da H&M drin, naja. Aber auch wenn diese Stadt einem vielleicht auf den ersten Blick kein begeistertes "WOW" entlockt, so gibt es doch einiges zu entdecken.

1. Den Marktplatz mit 1a Kopfsteinpflaster und ein paar letzten schönen, alten Fassaden. Die Innenstadt wurde in einer Bombennacht ganz kurz vor Kriegsende 1945 dem Erdboden gleich gemacht und in Sachen Stadtplanung ist Dorsten seitdem nicht die hellste Krone am Leuchter. Aber hier und da blitzt sie noch durch, die schöne frühere Altstadt.





2. Den Kanal. Sieht man jetzt hier nicht so, denn wo sich jetzt Schuttberge türmen, stand bis vor einigen Monaten noch das Lippetorcenter. Einst ein gut ausgelastetes Einkaufscenter, war das Gebäude in den letzten Jahren verriegelt, leer und gruselig. Dahinter erkennt man noch meine Schule auf der anderen Seite des Gewässers. Freistunden und große Pausen wurden in der Regel im Einkaufscenter verbracht, Süßkram und Cola kaufen und die neueste Bravo in den Unterricht schmuggeln. Naja. Wo jetzt eine schöne Verbindung der Stadt zum Wasser entstehen könnte (es könnte SO SCHÖN sein!), wird demnächst ein neues Einkaufscenter errichtet. Nun denn. Siehe Punkt 1, Stadtplanung und so... Jedenfalls: Wasser. Erst der Kanal, kurz dahinter die Lippe, drum herum ein paar Wiesen und Dämme und im Sommer ein kleines Highlight, dass ich dieses Jahr mal wieder besuchen werde. Dazu dann beizeiten mehr.


Dorsten hat mehr zu bieten als nur VHS und WC

3. Den Sinn für Mode und Freizeitgestaltung. Bei den ersten Frühlingsstrahlen sitzt man hier auf der Straße, schlürft sein Bierchen und quatscht mit den Passanten, die man natürlich alle beim Namen kennt. "Wat machen Bein und Hüfte?" "Ach, muss ja, wa!?" Pott halt. Und beim flanieren entlang der Ladenzeilen findet man das ein oder andere schöne Outfit für Abiball und Kneipenfest.




4. Okay, Punkt 3 war Spaß. Aber was mir wirklich am Herzen liegt: das Creativquartier. Wo früher Kohle gefördert wurde (und die Zeche mein täglicher Leuchtturm auf dem Weg zur Schule war), eröffnete im September 2013 das Creativquartier Fürst Leopold. Ateliers, eine aktive Kunst- und Kulturszene und essen und trinken kann man da auch. Das schöne Café Möhring baut derzeit leider um, aber so lange kann man es sich in der Eisdiele gemütlich machen. Oder beim Italiener. Oder beim Diner. Die sind zwar Systemgastro, aber das macht in der Umgebung schon fast nix. Ich mags da. Außerdem gibt es im Sommer etwas Sand unter den Füßen und mein persönliches Highlight: Eine Bank, die mal eine Lore war. TOLL!! Zu dem ganzen Projekt muss ich unbedingt auch nochmal einen eigenen Beitrag schreiben.










Trotz all der Fehler (liebe Stadtplaner, echt mal: was macht ihr denn?) und den verschwundenen Lieblingskneipen bleibt Dorsten immer ein wichtiger Ankerpunkt für den es lohnt, die Fahne hoch zu halten. Ich komm bald wieder!