Samstag, 10. August 2013

Warum ich bin, wie ich bin!?

Zwischen Reise- und Konzertberichten heute mal was persönlicheres. Kann man ja auch mal machen. In den letzten Tagen musste ich aus diversen Gründen ausgiebig darüber nachdenken, warum ich eigentlich bin, wie ich bin. Manchmal fragt man sich das ja schon. Gene, Erziehung, seltsames Umfeld... der ganze Kladderadatsch formt sich zu einer Person, die morgens mit dem Müslilöffel im Mund darüber sinniert, wie es dazu kommen konnte.

Also nicht, dass ich grade in Selbstzweifeln versinken würde. Ganz und gar nicht. Es gab in letzter Zeit nur einige interessante Situationen und Gespräche. Da wird sich gewundert, dass ich ein großes, fremdes Auto in einem Zug rückwärts einparken kann. Oder diverse Bierkästen ganz alleine in die Wohnung schleppe (Party, kein Alkoholproblem). Dass ich trotz des Rummels der letzten Monate immer den Kopf oben trage und "meinen Weg gehe". Was auch immer das sein mag. Warum ich mich nicht einfach mal beschützen und führen lasse. Kurzum: warum ich nicht einfach etwas mehr "typisch Frau" bin.

Watt???

Meine Antwort: Ich bin meinem Oppa (Gott hab ihn selig) so, so, so, so dankbar. Und der Omma gleich mit. Klassische Rollenverteilung habe ich einfach nie kennen gelernt. Als die beiden sich kennen lernten, war Oppa bei Ommas Eltern gern gesehener Gast als bester Freund des Bruders. Aber die Ulla heiraten? Niemals! Mittellos wie er war, kam er für die "gute Tochter" einfach nicht in Frage. Also schrieb er sich auf die Fahne, seinem "Mädchen" das beste Leben zu bieten, das sie haben konnte. Und nahm sie, die Kinder waren noch klein, mit auf den Bauplatz. Ausschachten. Okay, klingt jetzt nicht nach gutem Leben, ist aber genau das, was ich meine: Omma war immer gleichberechtigt. Sowohl bei der Arbeit, die nunmal zu machen war, als auch in Fragen der Selbstverwirklichung. Er trieb sie an, den Führerschein zu machen, sich einen Job zu suchen, unter Leute zu gehen.

Als ich ein knappes Jahr alt war, schickte er meine Mutter wieder zur Arbeit. Wir wohnten in einem Haus, da war die Kinderbetreuung kein Problem. Meine Mutter war froh, ein paar Stunden am Tag vor die Tür zu kommen und Oppa zeigte mir die Welt (die damals außerhalb des Gartens noch bis in die nächste Stadt reichte). Und prägte mir immer wieder ein: "Mach, was du willst, aber mach dich niemals von jemandem abhängig!" Das sitzt drin.

Als meine drei Cousins dann da waren, wurde nie ein Unterschied zwischen uns gemacht. Gleiche Rechte, gleiche Pflichten, gleich viel Zuneigung und der gleiche Ärger, wenn wir was verbockt hatten. Bekam einer von uns mal eine Mark zugesteckt, wurden gleich die drei Mark für die anderen an die Seite gelegt. Gleichbehandlung. Immer.

Meine Omma wohnt inzwischen seit 4 Jahren alleine in dem großen Haus, dass die beiden damals zu zweit gebaut haben. Für den Haushalt hat sie eine Hilfe, aber im Garten fuhrwerkt sie immernoch rum. Klettert über die Steine am Teich, hängt Kopfüber im Blumenbeet und rupft Unkraut und wenn mal was passiert und die Töchter und Enkel schimpfen, zuckt sie nur mit den Schultern und lacht.
Meine Mutter ist nicht anders.

Ich sehe also ganz genau, warum ich so bin, wie ich bin. Und warum ich genau so bleiben möchte: ich will auch mit 87 in meinem Garten sitzen, über meine großen und kleinen Zipperlein lachen und mit Stolz sagen können, dass ich immer auch alleine sehr gut klar kam.
Und, wie Omma sagt: "So lange du gute Freunde hast und etwas, dass dich glücklich macht, musst du dir um gar nichts Sorgen machen!"

Sonntag, 4. August 2013

Rom! - Teil 2

Jetzt bin ich schon zwei Wochen wieder da, der Erholungseffekt schon ziemlich abgeblättert, aber die Erinnerung an eine Woche Rom alleine ist immernoch toll.

Einen detaillierten Reisebericht wie im letzten Jahr kneif ich mir. Stattdessen, nachdem mein Chef in der vergangenen Woche mehrfach feststellen musste, wie sehr ich Listen liebe, eine weitere Top 5.

In dieser Folge: meine fünf liebsten Orte. Wobei die Auswahl etwas schwer fällt. Aber egal. Los geht's:

5. Der Park hinter der Engelsburg
Laufen macht müde. Hitze auch. Und überhaupt ist ja so gar nichts gegen ein Mittagsschläfchen einzuwenden. Rom bietet ausreichend Gelegenheiten für eine Rast, und auch für ein gepflegtes Nickerchen kann man sich hier und da niederlassen.
Besonders geeignet (und in zwei Feldversuchen persönlich getestet) ist dabei der Park hinter der Engelsburg. Nicht zu voll, ein Brunnen mit Trinkwasser, schattige Plätzchen unter zahlreichen Bäumen - perfekt. Nach zwei Stunden Tiefschlaf kann man dann auch fidel weiter.

Zzzzz....

4. Die Kuppel des Petersdoms
In der Hauptreisezeit steht auch jeder noch so kluge Tourist (sprich: Ich) schon um halb 9 am Morgen in einer nicht enden wollenden Schlange rund um den Petersplatz, gemeinsam mit unzähligen Reisegruppen darauf wartend, in den Petersdom zu kommen. Schön blöd. Ist man dann aber durch die Sicherheitsschleusen und der Tag noch jung, sollte man direkt rechts am Eingang vorbei und Richtung Aufzug laufen. Vielleicht kann man sich dann noch 5 Minuten nett mit dem Fahrstuhltypen über Borussia Dortmund unterhalten, da man zu dem Zeitpunkt der einzige Mensch weit und breit ist. Dann aber fix in den Aufzug und hoch zur ersten Aussichtsplattform. Da steht man dann, Blick auf Rom, auf dem Vordach des Petersdoms, wundert sich über den Souvenirshop und zieht direkt weiter, in die Kuppel. Höhenangst ist hier unangebracht, denn man schaut direkt runter auf den Papstaltar. Schon schön, aber weiter, weiter, die Treppe rauf. Vorsicht: Einbahnstraße! Mit Platzangst oder Treppenproblemen sollte man da also nicht hoch. Wenn man es dann aber geschafft hat (schnaufend und schwitzend, da natürlich unterm Dach auch die Belüftung fehlt), hat man den allertollsten Rundumblick über ganz Rom. Und fragt sich, ob der Papst auch manchmal da oben steht und zufrieden grinsend denkt "Alles meins!".

Wenn Rom eins kann, dann schöne Aussichten


3. Abends am Tiber
Hier spielt die Jahreszeit natürlich eine große Rolle. Im Sommer findet auf der Tiberinsel und an den Ufern davor eine Art Sommerfest statt. Jeden Abend gegen 20 Uhr öffnen zahlreiche Fressbuden, Bars, Geschäfte und sogar zwei Open Air Kinos und man kann einfach gemütlich die Promenade entlang schlendern. Dazu ein Bier in der sportlichen 660ml-Flasche, gutes Essen to go und dann einfach nur Leute und Sonnenuntergang gucken und sich des Lebens freuen. Geht auch alleine ganz wunderbar!



2. Trastevere
Ich war in diesem Stadtteil Roms sowohl am Vormittag als auch am Abend. Morgens ist mal so gar nichts los - was richtig entspannend ist, während sich an den Touri-Hotspots die Menschenmassen knubbeln. Schöne Gassen mit schiefen, alten Häusern, gemütliche Cafés und entspannte Menschen - so kann der Tag starten! Abends dann das genaue Gegenteil. Die Straßen und Bars sind gepackt voll mit Menschen, was aber um die Tageszeit nicht weniger toll ist. Einfach ein Eis kaufen, sich durch die Gassen treiben lassen und den Straßenkünstlern zuschauen. Urlaub!



1. Pincio/Villa Borghese
Über den Piazza del Popolo geht man in Serpentinen hoch zum Pincio, einem tollen Aussichtspunkt am Rand des Villa Borghese. Ich war am ersten und letzten Abend hier und hatte da wohl die schönsten Stunden der ganzen Woche. Glaub ich. Schwer zu sagen. Aber ich glaub schon. Die Rosenverkäufer nerven etwas und die Menschen, die sich beim direkten Blick auf den Vatikan fragen, wo denn jetzt wohl der Petersdom sei, machen auch nicht unbedingt glücklich. Aber wenn man Musik dabei hat und ein paar Gedanken zu sortieren, dazu noch einen Sitzplatz direkt an der Brüstung ergattert und die Leute einfach ausblendet, ist das der perfekte Ort. Und ein ganz bißchen würde man sich da auch über Gesellschaft freuen; auf jeden Fall fielen mir direkt ein paar Leute ein, die ich gerne dabei gehabt hätte. Trotzdem: auch alleine absolut super. Jederzeit wieder!

Nein, das ist nicht der Petersdom. Der ist weiter rechts.


Wie gesagt, ist es schwer, die 5 tollsten Orte raus zu suchen. Das Pantheon ist großartig. Das Forum Romanum und das Kolosseum total beeindruckend. Alles schön und toll. Dass Rom aber auch nerven kann, werde ich dann im nächsten Beitrag beweisen. Mit einer weiteren Liste. ;)