Mittwoch, 28. November 2012

Das große Burger-Glück


Am Montag knurrte nach Feierabend der Magen so laut nach was tollem, dass schleunigst was unternommen werden musste. Also ab ins Auto und nach Essen gedüst, um auf der Rüttenscheider Straße bei Hans im Glück, dem Burger Grill einzukehren.

Jetzt hatten wir Glück (haha...total unbeabsichtigter Wortwitz), dass wir noch relativ früh dran waren und uns so einen der wenigen freien und nicht reservierten Tische schnappen konnten. Denn kurze Zeit später wurde es voll. Richtig voll. Und dadurch auch laut. Vielleicht hätte man die Musik im Hintergrund da nicht noch hochfahren müssen. Aber das ist auch schon alles, was ich zu moppern hab, denn: der Laden ist so super!

Angefangen bei der Speisenkarte aus dicker Pappe wie ein Bilderbuch. Auf jeder Seite Zeichnungen aus dem Märchen Hans im Glück, eine gute Auswahl an Getränken, Pommes (eine Portion oder lieber gleich ein ganzes Pfund?) und eine lange, tolle Liste allerfeinster Burger. Auch für Vegetarier und sogar für Veganer lässt sich dort einiges finden!

Meine Wahl fiel auf „Abendrot“, ein Gemüsebratling, getoppt mit Salat, gebratenem Gemüse, Rucola und Parmesan, dazu hausgemachte Burgersoße. Zwischen den drei angebotenen Brotsorten habe ich mich für ein Vollkornbrötchen entschieden und man, war das lecker! Schmackofatz. Dazu ein geteiltes Pfund Pommes.

Zwischen den Bissen blieb noch Zeit, sich den Laden anzugucken. Man sitzt quasi im Wald, zwischen dicken Birkenästen und Vogelhäuschen als Wandlampen. Die Platzdeckchen sind aus dickem Filz, die Teller modern-rustikal und das gesamte Ambiente einfach total gemütlich. Auf jedem Tisch dazu auch die freie Auswahl an diversen Frittensaucen – Ketchup, Majo, was rotes und was süßes (in letzteres hätte ich mich reinlegen können – was war das?).

Coco Lores im Glück!

Ich bin total begeistert und werde definitiv öfter vorbei schauen. Ob in Essen oder bei einer der anderen Niederlassungen in Köln, Wuppertal, München…. Wann kommt eine Filiale nach Castrop-Rauxel?

(Bilder folgen)

Freitag, 23. November 2012

The money pit

Erinnert sich noch jemand an den Film "Geschenkt ist noch zu teuer" mit Tom Hanks? Manchmal fühle ich mich wie im 2012er Remake dieser Komödie und bin froh, dass ich bis jetzt auch noch drüber lachen kann.

Eigentlich rechne ich jeden Tag damit, dass die Badewanne während ich darin dusche durch den Boden kracht oder das Essen im Ofen zum Flugobjekt wird (ich will es nicht beschwören). Nach dem Wasserschaden im April, der uns bis heute ein großes Loch unter der Spüle beschert hat, kam das Schlüsselfiasko, dank dessen wir wochenlang die Haustür nicht benutzen konnten. Die Hausverwaltung hatte einfach mal das Schloss ausgetauscht ohne die Mieter zu informieren und trotz Schließanlage und einheitlicher Schlüssel passten die älteren Modelle nicht mehr da rein. Zum Glück hat das Haus noch einen Hintereingang.

In der Nacht auf Dienstag dann das nächste Highlight. Um 2.30 Uhr werden wir durch lautes Geschepper aus dem Tiefschlaf gerissen und sitzen kerzengrade im Bett. Nanu? Ein kurzer Erkundungsgang durch die Wohnung führt uns zum Bad, das voller Scherben liegt. "Oh, der Spiegel ist runter gefallen!" Tja, tatsächlich. Als ich meinen Blick dann vom funkelnden Boden in Richtung der Stelle schweifen lasse, wo Stunden vorher noch der Spiegel hing, bleibe ich am Waschbecken hängen. Oder an dem, was davon noch übrig ist, denn es fehlt die vordere Hälfte. Das blöde Ding hat einfach aufgegeben und sich samt Spiegel in die Tiefe gestürzt. Freitod von Badezimmermöbeln, ein erschreckendes Phänomen.



Nach kurzem Fluchen und hysterischem Lachen blieb uns dann wohl nichts anderes übrig, als die Scherben aufzuheben, mitten in der Nacht den Staubsauger anzuschmeißen und zu hoffen, die Nachbarn mögen uns gnädig sein. Und dann nach getaner Arbeit wieder ins Bett zu hüpfen, schließlich sollte der Wecker um 6 Uhr klingeln. Tat er auch, aber an Schlaf war in der Zwischenzeit nicht zu denken.

Ich bin echt gespannt, was uns als nächstes erwartet.

Herbstsonne

Und jetzt sag noch mal einer, Herbst und Winter sind bäh. Wenn die eins können, dann hervorragende Sonnenauf- und -untergänge. Isset nich schön?


Montag, 19. November 2012

Der Rest vom Ruhrgebiet: Dorsten


Blogs werden zu Reiseführern mit sehr individuellem Lokalkolorit. Herr Buddenbohm hat für Hamburg damit angefangen und die gute Anne hat die Idee mal für den Pott adaptiert. Find ich gut und lade an dieser Stelle zu einem Ausflug nach Dorsten ein.

Dorsten bezeichnet sich als Tor zum Münsterland und Brücke zum Ruhrgebiet. Ich bin in den nördlichen Dörfern Rhade und Lembeck aufgewachsen und müsste mich daher wie viele meiner dortigen Freunde eher als Westfale denn als Pottkind fühlen. Tu ich aber nicht. Und eigentlich sind wir ja auch nur Zugezogene.

Als meine Großeltern in den 60ern aus der „großen Stadt“ Dorsten aufs Land nach Rhade zogen, war meine Mutter mit ihren kurzen Haaren und Hosen eine Exotin unter ihren in Klischees gekleideten Mitschülerinnen. Wenn Opa sich morgens in den Fiat 500 setzte, um mit seinen Kollegen nach Bochum zu Opel zu fahren, konnte man ihm weit über die umliegenden Felder hinterher winken, bis er kurz vor Dorsten hinter der Kurve verschwand. Heute liegt das Grundstück mitten in der besten Lage des Ortes, nah am Bahnhof, der morgens große Mengen an Berufspendlern aus dem Münsterland Richtung Essen schickt.

Bevor ich eingeschult wurde, nahm Opa („Oppa“ ausgesprochen, wir sprechen doch kein Hochdeutsch!) mich jeden Morgen mit in die Stadt, die Uroma im Altenheim besuchen. Danach dann am Marktplatz ein Rosinenbrötchen auf die Hand, an der Kneipe meiner Urgroßeltern (seinen Schwiegereltern) vorbei. Er erzählte mir immer wieder die gleiche Geschichte, wie er damals um Oma geworben hat, die kleine Schwester seines besten Freundes, die zu gut war für den Sohn eines Bergarbeiters. Trotzdem haben sie sich heimlich getroffen, er hat ihr Schokolade geschenkt bis sie darum bat, dass er doch besser in feine Strumpfhosen investieren sollte, da hätte sie mehr von. „Als Oma und ich noch poussiert haben“, erzählte er immer. Wenn Oma das hörte, winkte sie kichernd ab.

Als ich später zum Gymnasium ging, fuhr ich jeden Tag zweimal an der Zeche Fürst Leopold vorbei. Der Förderturm war täglich zuverlässig in Bewegung, bis plötzlich in den Zeitungen davon die Rede war, dass das Zechensterben auch in Dorsten angekommen ist. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich kurz vor dem Abi 2001 aus dem Bus auf den Förderturm blickte und sich nichts mehr bewegte. Schluss mit Bergbau.

Keine Ahnung, ob es daran lag oder ich es mit zunehmendem Alter bewusster wahrnahm, aber ab 2001 ging es auch mit der Innenstadt bergab. Das Lippetorcenter, ein kleines Einkaufszentrum direkt am Kanal, wurde immer leerer und ist inzwischen ganz zu. In der Innenstadt traten immer mehr Leerstände auf, die Euroshops und Handyläden nahmen zu. Am anderen Ende der Stadt wurde ein riesiger Betonklotz errichtet, in dem ein großer Supermarkt ansässig ist. Das neu errichtete Schwimmbad schreibt seit der Eröffnung nur rote Zahlen. Und die eine Hand voll guter Kneipen, in die man als junger Mensch gehen konnte, haben auch schon lange geschlossen.

Doch die Stadt macht sich. Die Innenstadt wird belebter, der Einzelhandel nimmt zu und auch wenn man das wahrscheinlich nicht als Indikator für irgendwas sehen kann, aber auch große Ketten wie das schwedische Bekleidungshaus lassen sich jetzt dort nieder. Museen wie das Jüdische Museum Westfalen oder das Heimatmuseum in Schloss Lembeck laden zu Besuchen ein, die Hohe Mark ist ein gern gewähltes Ausflugsziel für die Städter aus dem Pott und man gibt sich sichtlich Mühe, mit Veranstaltungen über das ganze Jahr Besucher in die „kleine Hansestadt an der Lippe“ zu locken.

Am Kanal trifft sich an warmen Sommertagen noch heute Jung und Alt. Ganz wagemutige (und lebensmüde) springen von den Kanalbrücken und wenn sie ganz bescheuert sind, hängen sie sich an die vorbeifahrenden Schiffe. Im Winter war der Kanal ein paar Mal zugefroren, aber drauf getraut haben wir uns nie.

Die Lippe fließt nur wenige hundert Meter weiter. Mit 6 haben eine Freundin und ich dort mal den Kleinen Wassermann vermutet und sind auf der Suche nach ihm fast in die Stromschnellen gefallen. Heute kann man den Fluß mit der Fähre Baldur unter Einsatz von Muskelschmalz queren.

Wie viele Städte im Ruhrgebiet, die im Krieg zerbombt wurden, ist Dorsten objektiv betrachtet an vielen Stellen vielleicht nicht schön. Aber es ist Heimat. Und jede Straßenecke ist für mich mit Erinnerungen verbunden. Und das ist doch, was zählt.

Statt Fotos zum Abschluss ein Imagefilm, den der Bruder vor einiger Zeit mal für die Stadt gemacht hat: