Montag, 20. August 2012

Reisetagebuch Island, Tag 6 – 19.07.2012

Über den Gleitscher nach Skógar - immer dem rennenden Männchen nach

Ich bin nervös. Heute geht es über einen Gletscher. 1000m hoch, morgen auf der anderen Seite 1000m wieder runter. Ich bin müde und mag keine Berge mehr hoch gehen. Lieber würde ich mich hier in den Bus nach Reykjavik setzen und da zwei Tage auf die Jungs warten. Mama hat zu Hause noch gesagt, ich soll auch mal Nein sagen, wenn es mir zu viel wird. Aber Mama ist weit weg und dann ist da diese Frau, die meine Ängste selbst kennt, die Strecke schon hinter sich hat und absolut begeistert ist. Na gut, denke ich, wird schon gehen. Also den 300kg schweren Rucksack geschultert und los geht’s. Anna und Martin haben sich auch noch spontan zu der Tour entschlossen und stoßen direkt am Start zu uns – schön!

Das kann nicht der richtige Weg sein...

Leider verlaufen wir uns erstmal. Als wir den Weg endlich finden, geht es nur noch bergauf. Es geht immer hoch durch das so genannte „Gottesland“. Die Landschaft trägt diesen Namen zu Recht: sattes Grün erstreckt sich, so weit man gucken kann. Meistens ist das nicht allzu weit, wir sind schließlich in den Bergen, aber toll ist es. 

Über schmale Pfade durchs Gottesland



Nur macht mir der steile Aufstieg zu schaffen, die oft rutschigen Hänge machen mich nervös, an Stellen, die mit Seilen ausgestattet sind, zweifel ich an meiner Trittsicherheit und bei einer besonders langen Steigung kommen uns Steine entgegen. Und es wird neblig. Und ich hab keine Lust mehr. Irgendwie klappt es trotzdem, klar. Aber ich wünsche mir nicht nur einmal, auf Mamas Worte gehört zu haben.



Der Nebel klebt zwischen den Gipfeln und erzeugt eine winterliche und gespenstische Atmosphäre. Irgendwo höre ich einen Wasserfall, aber die Suppe ist zu dicht um was zu sehen. Dann erreichen wir den Gipfel, durchqueren mehrere große und kleine Eisfelder und kommen dann an die Stelle, an der die Lava des Eyjafjallajökull austrat. Der Boden ist immernoch warm! Kurz vergesse ich meine schlechte Laune, denn DAS ist jetzt mal wirklich beeindruckend. Immer wieder ist man doch sehr ehrfürchtig hinsichtlich der Sachen, die diese Natur so kann…

Lava im Nebel

Warm wie eine Bodenheizung im Winter

Weiter geht es durch ein bizarres Lavagebiet, Schneefelder mit tiefen, tiefen Löchern und natürlich Nebel, bis endlich die Nothütte auftaucht. Unsere Herberge für die kommende Nacht. Mir tut alles weh, ich bin erschöpft und hungrig und schon als Patrick vor 8 Jahren hier war, war die Hütte eine willkommene Unterkunft nach einem anstrengenden Tag. 

Den großen Aufstieg haben wir hier hinter uns.

Unser geplantes Domizil für die Nacht. Es ist ca. 16.30h...

Aber was wir hier heute finden, lädt nicht unbedingt zum Bleiben ein. Es stinkt nach Urin und Muff, die Wände schimmeln und das Klohaus ist eingetreten. Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll, und da hilft dann nur eins, immer: essen. In winterlicher Atmosphäre hauen wir uns draußen bei Eiseskälte die Bäuche voll und ziehen dann schnell weiter, runter von diesem Berg, raus aus der Suppe, mit Vorfreude auf einen Zeltplatz im Tal. Ganz bald erreichen wir einen Fluß, der uns bis zum Ziel in Skoga begleitet. Dort wartet der berühmte Skogavoss auf uns, aber auch unterwegs sehen wir schon absolut beeindruckende Wasserfälle, die uns die Sprache verschlagen. 





Meine Stimmung steigt mit jedem Meter, den es bergab geht. Nochmal 4 Stunden wandern, dann erreichen wir nach insgesamt 11 Stunden mit schweren Beinen die Treppe, die uns am Wasserfall entlang hinunter zum Zeltplatz führt. Wie Zombies schieben wir einen Fuß vor den anderen, wanken die Stufen herunter und lachen uns dabei schlapp. Schuhe aus, Zelt aufbauen und dann humpeln wir unter ein Vordach, um dort in Roberts Geburtstag rein zu feiern. Morgen Früh um 08.30h geht der Bus zurück in die Zivilisation.

Happy Birthday!

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