Freitag, 31. August 2012

Reisetagebuch Island, Tag 17 – 30.07.2012

Erstes Ziel heute ist Vík im Süden der Insel. Schwarzer Sandstrand und Klippen, vor denen riesige Steinsäulen stehen. Diese Basaltsäulen, Reynisdrangar, sind der Legende nach Trolle, die sich nachts zu lange raus gewagt haben und dann von den ersten Sonnenstrahlen verteinert wurden. Pech für die Trolle, schön für uns, denn die Säulen sind hübsch anzusehen!



Um uns herum unzählige Möwen und auf dem Meer schwimmen sogar etliche Papageientaucher. Toll!

Die Papageientaucher leider zu weit weg für die Kamera




Nach einem Barfußspaziergang am Strand geht es weiter Richtung Gullvoss. Der Wasserfall soll zu den schönsten des Landes gehören - und zieht massig Touristen an. Auch hier wieder Busladungen voll Menschen, die uns nach der tagelangen Einsamkeit ziemlich aus der Fassung bringen. Der Gullvoss an sich ist aber wirklich sehenswert und wir bekommen sogar einen Regenbogen geliefert.


Super Touristenmassenposing


Auf zum nächsten Touri-Hotspot: Geysir. Der große spuckt nicht mehr, aber beim etwas kleineren Strokkur entlädt sich alle paar Minuten eine 20-30 Meter hohe Wasserfontäne. Ich stehe zum fotografieren in einer Pfütze und kriege richtig heiße Füße!

Boom!
Dann geht es weiter Richtung Pingvellir, wo wir heute am schönen Pingvallavatn zelten werden. Der Platz direkt am Wasser ist super schön und ruhig. Nur schwärze Säulen aus Mücken irritieren uns etwas, aber immerhin: sie stechen nicht.

Donnerstag, 30. August 2012

Reisetagebuch Island, Tag 16 – 29.07.2012

Der Pool an unserem Campingplatz in Svinafell musste vor einiger Zeit leider geschlossen werden, ansonsten hätte ich den Tag heute sicherlich dort verbracht. Die Sonne scheint und meine Lust auf Bergsteigen ist immernoch nicht zurück. Trotzdem fahre ich mit den Jungs gegen 11 Uhr zum Nationalpark Skaftafell.



Den Aufstieg zum 1.126m hohen Gipfel des Kristinartindar überlasse ich den beiden und mache mich selbst auf den Wanderweg "S2". Einfach immer der Beschilderung folgen, das kann nicht so schwer sein... Wenn es eine Berschilderung gäbe! Ich folge also den anderen Wanderern, genieße hier und da tolle Ausblicke auf den Gletscher und in das karge Tal, das in den 90ern nach einem Vulkanausbruch von Schmelzwasser überflutet und leer geräumt wurde.

Svartifoss, geschickt ohne Tourimassen fotografiert
Am Svartifoss, einem basaltumsäumten Wasserfall, bestaune ich die Struktur des Felsens. Wie ich später erfahre, hätte ich hier links gemusst, aber ich folge anderen Touristen rechts rum bergauf. Zwischen grünen Wiesen und kleinen Bäumen und Pflanzen hindurch geht es immer höher, bis ich vor einem Mann stehen bleibe, der mitten auf den Weg pinkelt. Touristen sind doch manchmal wirklich sehr komische Geschöpfe...!



Nach einer guten Stunde komme ich an der Gletscherzunge an und bestaune diese eine Weile, dann mache ich mich auf gleichem Weg zurück zur Infohütte im Tal, wo ich mit den Jungs verabredet bin. Auf einer Karte sehe ich dort, dass ich ungefähr die doppelte Strecke gegangen bin, als eigentlich geplant. Aber macht nix, war ja schön.

Oben wurden die Berge geboxt. Hab ich wohl nix verpasst ;)


Die Freuden einer Altbauwohnung

Unser Haus ist toll. Die Wohnung ist großartig. Und die Hausgemeinschaft super. Aber...

Es begann Ende April. Ein nervöser Mitarbeiter der Hausverwaltung rief an um mich zu informieren, dass in der Praxis unter unserer Wohnung Wasser aus der Decke kommt. Ich fuhr schnell aus dem Büro nach Hause, um unsere Wohnung zu checken, denn die Verwaltung weigerte sich, einen Handwerker zu bestellen, solange nicht klar war, ob die Schuld vielleicht bei uns lag.

Zu Hause: alles staubtrocken. Also runter in die Praxis. "Wasser aus der Decke" bedeutete offensichtlich einen (nicht minder ärgerlichen) mittelgroßen Wasserfleck an der Wand. Ein Handwerker kam, guckte unser Bad an, stellte eine Vermutung auf und ging wieder.

Etliche Tage später kam ein anderer Handwerker, um die Badewannenfuge an der Wand zu erneuern. Damit sollte das Problem gelöst sein.

Ende Mai: nächster Handwerker, denn der Fleck ist größer geworden. Er kommt und geht direkt wieder. Keine Leiter. Wände in der Praxis sind 4 Meter hoch. Er kommt Tage später wieder. Kann nichts finden. Mehr passiert nicht.

Ende Juni: noch ein Handwerker, diesmal mit Wärmebildkamera. Untersucht jeden Zentimeter unseres Badezimmers und der Küche. Keine Auffälligkeiten.

Ende August: Man möchte nochmal schauen. Beim letzten Mal hätte man zwar nichts finden können, aber der Fleck ist immernoch feucht, vielleicht findet man ja beim nächsten Versuch was.

Also nächste Woche wieder der Typ mit der Wärmebildkamera. Ich bin gespannt. Wir haben ja immernoch die Regenrinne in Verdacht, die mit Efeu-Resten verstopft ist und bei jedem starken Regen überläuft. Das Problem ist lange bekannt und "Da muss mal was gemacht werden".

Fortsetzung folgt...

Mittwoch, 29. August 2012

Reisetagebuch Island, Tag 15 – 28.07.2012

Die Campingplatzbesitzerin machen wir heute sehr glücklich als wir ihr sagen, dass ihr Platz in unserem Reiseführer empfohlen wird. Er ist aber wirklich toll! Und das kleine, rote Holzhaus für Toilette und Dusche ist so niedlich!



Erstes Ziel ist heute Höfn an der Küste Richtung Süden. Die Jungs wollen da wandern, allerdings erweist sich der Weg zum Startpunkt der gewählten Tour für unser liebes Auto als nicht machbar. Wir versuchen es ein paar Meter auf der steinigen Strecke, passieren einen Bauernhof und bleiben dann fast im Schotter stecken! Die Bewohner des Hofs haben wahrscheinlich nur laut lachend hinter ihren Gardinen gestanden.

Da Höfn sonst scheinbar nichts zu bieten hat, fahren wir weiter Richtung Skaftafell, wo wir die nächsten zwei Tage wandern wollen. Wobei "wollen" sicher nur für die Jungs zutrifft, ich kann mich irgendwie nur schwer überreden, noch auch nur einen Berg hoch zu kraxeln.

Das Skaftafell gehört zum Vatnajökull, einem riesigen Gletscher. Drittgrößtes Festlandeisvorkommen der Welt, wie Patrick nicht müde wird zu betonen. Und es ist auch wirklich beeindruckend! Schon von weitem zeichnet sich die weiße Masse am Horizont ab. Ich verschlafe den Anblick fast, aber Patrick macht mich wach und spätestens, als wir am Jökulsarlón ankommen, habe ich wieder alle Sinne bei mir. Ein See! Im Sonnenschein! Mit EISBERGEN! Wow, wow, wow!





Nicht so "wow" sind die Busladungen an Touristen, die hier für einen kurzen Aufenthalt rausgeschmissen werden. Alle schön warm eingepackt, Sonnenhut auf, Creme auf der Nase, Kamera im Anschlag. Wir laufen an allen vorbei direkt ans Ufer, denn Patrick will schwimmen gehen. Schwimmen? In salzigen Eiswasser? Na klar, wir sind hier doch im selbsterklärten Badeurlaub!

Als er das Wasser verlässt, packt mich der Neid. Ich muss da jetzt auch rein. Also Klamotten auf bis auf die Unterwäsche und ab ins wirklich kühle Nass. Meine Füße sind noch nicht ganz im Wasser, da habe ich auch schon kein Gefühl mehr drin. Trotzdem: rein da. Ein paar Züge schwimmen. Fast keine Luft kriegen, aber die Endorphine und das Adrenalin jagen durch die Blutbahn. Wahnsinnig toll!

Beweisfoto

Dann schnell wieder raus und in der Sonne aufwärmen. Am See gibt es ein Café. Dort stehen ca. 10 Frauen warm eingepackt für die Toilette an. Ich reihe mich tropfend und in ein Handtuch gewickelt ein und ernte skeptische Blicke.

Dienstag, 28. August 2012

Reisetagebuch Island, Tag 14 – 27.07.2012

Island ist lustig. Zum einen die Landschaft: blauer Himmel, blaues Fjord, überall Berge, die aussehen, als hätte man sie oben glatt abgeschnitten. Ganz oben drauf liegt noch Schnee, die Straße schlängelt sich in unzähligen Kurven die Berge hoch und runter.
Zum anderen die Leute und ihr Glauben an Fabelwesen. Feen, Elfen, Gnome und Trolle: alle führen auf Island eine Existenz neben und mit den Menschen und die Isländer nehmen Rücksicht. So lese ich heute, dass beim Bau der Ringstraße (die "Hauptverkehrsader" der Insel, wenn man es so nennen mag) extra jemand engagiert würde, der mit den Fabelwesen kommunizieren kann. An jeder ihrer Wohnstätten wurden sie gebeten, die Straße zu räumen. Weigerten sie sich, wurde eine Kurve in die Straßenführung geschlagen. Auch Defekte an Baumaschinen wurden dem Unmut der Feen und Gnome zugeschrieben. Es klingt naiv und ist natürlich auch mit einem Augenzwinkern zu sehen, aber ich mag diese Naturverbundenheit sehr.

Trolle beim shoppen
Wir fahren heute nach Myvatn, einem riesigen See, umgeben von zahlreichen vulkanischen Sehenswürdigkeiten. Als wir uns dem Gebiet nähern, sieht der Boden aus, als hätte er hier riesige Blasen geworfen und wäre mittendrin erkaltet. Unzählige kleine Hügel, aufgeplatzte Krusten und Minikrater.


Vorsicht, heiß!
An einem großen Lavafeld halten wir an und wandern 2 Stunden duch die surreale Landschaft. Windig und touristisch ist es hier, aber wie immer auch super schön. Hellbraune Sandberge neben grünen Hügeln neben schwarzen Lavahängen.




Von hier geht es wenige 100m weiter zum See Víti. Unter ihm soll ein Ungeheuer lauern! Wir sind dementsprechend vorsichtig, als wir bei starkem Wind den Krater hoch klettern. Der See hat ein fast unwirkliches türkis-blau. Um ihn herum brodelt es wieder aus etlichen Erdlöchern und zum benachbarten Kraftwerk führen einige große Metallrohre. Man fühlt sich wie in einem James Bond Film!



Wie die Kulisse eines Films

Den Besuch im Nature Bath sparen wir uns (leider), denn knapp 20 Euro ist uns für den Besuch eines Schwimmteichs zu viel. Also fahren wir gegen 17 Uhr weiter Richtung Osten nach Egilstadir. Auch hier finden wir ein Schwimmbad, ziehen einige Bahnen (natürlich wieder ohne Schwimmbrille), entspannen uns im Hot Pot und benehmen uns auf der Rutsche wie kleine Kinder. Als wir das Schwimmbad verlassen, ist Patrick quasi blind. Zu viel Chlor!

Wir parken ihn deshalb auf einer Bank am heutigen Campingplatz, der wunderschön im Grünen liegt mit toller Wiese, Bäumen und einem von der untergehenden Sonne rot angestrahlten Berg im Hintergrund, bauen die Zelte auf uns kochen Coucous mit Tomatensuppe - die kulinarische Entdeckung des Monats!

Montag, 27. August 2012

Reisetagebuch Island, Tag 13 – 26.07.2012

Heute gönnen wir uns mal eine Auszeit vom vielen fahren. Wir machen uns auf den Weg nach Akureyri, wo wir einen tollen Campingplatz außerhalb der Stadt, mitten in einem Naturschutzgebiet finden. Nach knapp zwei Wochen nutzen wir die Möglichkeit einer Waschmaschine hier sehr gerne. Dann legen wir uns in die Sonne, lesen und gammeln einfach ein paar Stunden rum.



Mittags gehen wir dann in die kleine Innenstadt von Akureyri. In der zweitgrößten Stadt der Insel findet man überall Kunst in allen möglichen Formen. Auf der Straße, in den Fenstern, an Hausfassaden...



Im Hafen beobachten wir eine Weile Familien beim Angeln, dann gehen wir in ein gemütliches Café, um eine Kleinigkeit zu essen. Leider versteht die Kellnerin statt der gewünschten "two Coke", dass wir das Essen "to go" wünschen und serviert uns unsere Brote auf Papptellern mit Frischhaltefolie. :D



Nach dem Imbiss geht es, wie es sich für unseren Badeurlaub gehört, ins örtliche Schwimmbad. Erstmal ein paar Bahnen ziehen (ohne Schwimmbrille keine gute Idee), um das Bewegungsdefizit der letzten Tage auszugleichen. Dann zur Entspannung wieder in den Hotpot. Beim rausgehen wird mir wieder schwarz vor Augen und ich taumel ein bißchen ums Becken rum. Muss ein lustiger Anblick gewesen sein!
Abends sitzen wir bei Regen im Vorzelt, essen Reis mit Bohnen und gehen wieder früh schlafen. Ein entspannter Tag.

Wiedersehen macht Freu(n)de

Der Sinn von Facebook erschließt sich mir ja nicht immer. Sich mit Leuten vernetzen, mit denen man jahrelang nicht ein Wort gewechselt hat und auch damals nur, wenn es sein musste - wozu? Aber manchmal ergeben sich daraus auch tolle Begegnungen.

Aus einem kleinen "Und was machst du jetzt so?"-Chat heraus dachte ich mir, die betreffende Person plus Partnerin einfach mal spontan zu meinem Geburtstag einzuladen. Die beiden gehören auch zu denen, die ich seit Schulzeiten nicht mehr gesprochen habe, aber warum nicht, man muss auch mal was wagen. Prompt kam auch die Zusage, und so stand an besagtem Tag plötzlich ein altbekanntes Gesicht in meiner Küche (die andere Hälfte konnte dann leider doch nicht, was dem Spaß keinen Abbruch tat). Erst ein bißchen seltsam, das Ganze, aber doch richtig nett.

Die Gegeneinladung nach Münster erfolgte direkt am nächsten Tag und so machten wir uns dieses Wochenende auf in die Fahrradstadt für veganes Curry, Musik und Bier. Ein toller, langer Abend mit Wiederholungspotential! Facebook ist nicht immer doof.

Die tollen The Toyotas auf dem Breul-Tibus-Straßenfest

Sonntag, 26. August 2012

Reisetagebuch Island, Tag 12 – 25.07.2012

Wir schlafen unglaublich viel hier - heute stehen wir wieder nach 10 auf! Nach dem üblichen Müsli zum Frühstück geht es zum kleinen Inlandflughafen von Isafjördur, von wo aus ein kleiner, steiler Pfad zum "Trollsitz" hochgeht. Von dort hat man einen schönen Ausblick auf das kleine Städtchen.

Der Trollsitz


Blick auf Isafjördur

Dieses gucken wir uns im Anschluss auch noch an, bevor es gegen 14.30h wieder ins Auto geht. Ziel ist heute Blönduós. Raus aus den Westfjorden. Das bedeutet wieder stundenlanges auf und ab über Schotterpisten mit bis zu 18% Gefälle, steilen Kurven und ungewöhnlich viel Gegenverkehr. Es ist schon fast obligatorisch, aber auch hier ist die Umgebung mal wieder atemberaubend. Wir fühlen uns langsam ein bißchen "voll" mit Eindrücken. Schon beim wandern haben wir so viel gesehen. Mit dem Auto und durch das schnellere voran kommen sieht man täglich so viel, dass man das ganze Schöne fast schon gar nicht mehr aufnehmen kann.



Abends kommen wir am Ziel an. Der Campinpglatz in Blönduós ist der bisher vollste und unschönste. Wir essen noch schnell eine Portion Nudeln und gehen dann ins Zelt.

Samstag, 25. August 2012

Reisetagebuch Island, Tag 11 – 24.07.2012

Was macht mehr Sinn, als von einem Ort mit tollen Bademöglichkeiten in einen anderen mit einer weiteren tollen Bademöglichkeit zu fahren? Genau: nix. Also packen wir heute die Badehose gar nicht erst ein, sondern lassen sie auf der Rückbank liegen und fahren nach Krossnes ein paar Kilometer weiter in ein winzig kleines Schwimmbad, ebenfalls direkt am Meer. 
Wir befinden uns immernoch auf Island

Blauer Himmel, blaue Wellen, starke Brandung und Millionen große Fliegen, auch im Wasser. Aber das trübt den Badespaß kaum. Auch Krossnes wartet mit einem Hotpot auf. 39°C hat das Wasser, wärmer als gestern, aber um einiges kälter als die 44°C in Reykjavik. Sonne und warmes Wasser sind auch schön! Den Gedanken verwerfe ich unter der Dusche wieder, denn da mag mein Kreislauf nicht mehr, und so liege ich eine Weile in der kleinen Umkleide auf dem Boden rum, freue mich, dass grad keiner rein kommt und warte, dass die Welt aufhört sich um mich zu drehen.

On the road again

Draußen gibt es dann in der Sonne einen kleinen Imbiss (Käsebrote und Skyr), mir geht’s wieder gut. Am Wasser und tausend tollen Ausblicken und Eindrücken entlang geht es nach Isafjördur. Der Zeltplatz liegt außerhalb des Städtchens hinter dem Golfplatz, direkt an einem Wasserfall. Wunderschön! Wir verschlingen unsere letzte „Tütennahrung“, trinken noch ein Bierchen, dann geht es auch bald schon ins Bett.

Freitag, 24. August 2012

Etwas schlimmes wird passieren...

...die weltbeste Pommesbude mit der großartigsten vegetarischen Currywurst, der besten selbstgemachten Currysauce und einer Mousse au Chocolat mit kandierten Cashewkernen, die besser nicht geht, schließt Ende Oktober.

Also alle noch schnell nach Essen, Currywurst bestellen (vegan oder auch nicht) und dann alle mit einer Träne im Knopfloch und Soße im Mundwinkel so "Hach"...


Reisetagebuch Island, Tag 10 – 23.07.2012

Ein Auto! Endlich mobil, endlich geht es weiter. Der Autovermieter überrascht uns mit einem Kombi, den wir direkt mit Rücksäcken und Einkäufen vollladen. Dann geht es los Richtung Westfjorde. Zunächst auf der Ringstraße, dann weiter auf Schotterpisten mit Schlaglöchern, so groß wie Meteoritenkrater. Ich fahre und in meinem Hinterkopf blinkt ständig die hohe Kautionssumme, während unter dem Auto das Geröll ans Blech knallt. 

Ich sehe meine Kaution mit dem Autolack zerplatzen

Aber die Landschaft! Immer in Kurven direkt an den Fjorden entlang, blaues Wasser, steile Klippen, klarer Himmel, schööön! Absolut spektakulär (again). Nach ca. 6 Stunden dann Ankunft in Drangsnes, ein 60 Seelen Dorf, das sich um eine schmale Hauptstraße drängt. Raue Küste, Nieselregen, kalter Wind. 



Das Auto sieht aus wie Sau. Mir ist kalt. Wir stellen unser Zelt neben dem Vereinsheim des örtlichen Fußballclubs auf und machen uns dann auf den Weg zurück zum Meer. Denn da wartet Wasser auf uns. Warmes Wasser.




Die Einwohner stellten irgendwann in den 1990ern nach einem Erdbeben fest, dass sich eine heiße Quelle vom Strand ins Meer ergoss. Nichtmal eine Woche später standen 2 Hotpot-Becken an der Stelle. Eines wurde von einer Sturmflut weggerissen und direkt durch zwei neue ersetzt. Und so kann man dort nun, völlig kostenfrei und für jeden zugänglich, bei Wind und Wetter im warmen Wasser dümpeln, gerne mit einem Bierchen in der Hand, und aufs Meer schauen. Großartigst!



Gut gewärmt und ordentlich bettschwer, gibt es anschließend noch eine Portion Baked Beans. Dann ab auf die Matte. Island ist toll!

Donnerstag, 23. August 2012

Reisetagebuch Island, Tag 9 – 22.07.2012

Ich bin 30! Es regnet wie aus Eimern und ständig trudeln Glückwünsche ein, auch zum perfekten Geburtstagswetter (in Deutschland). Wir frühstücken unter dem Vordach der Rezeption. Mein kleiner Schokoriegel-Geburtstagskuchen erzeugt Aufmerksamkeit und eine Horde multinationaler Camper singt mir ein Ständchen. Toll! 

Hier sehen selbst die Hydranten freundlich aus

Damit wir morgen früh nicht planlos im Auto sitzen, stecken wir heute kurz ein paar Ziele unserer Tour ab, bevor wir wiedermal in die Stadt gehen. Eigentlich wollen wir mit Martin, Anna und Kirsten zum Flohmarkt, allerdings verlieren wir die drei, finden den Markt nicht und gehen deshalb bei Habibi Falafel essen. Toller Laden, tollstes Essen!



Dann besuchen wir die Hallgrímskirkja, größte Kirche Islands und zweithöchstes Gebäude des Landes. Sehr beeindruckendes Bauwerk, ich habe noch nie so eine „cleane“ Kirche gesehen! Die Aussichtsplattform soll auch toll sein. Klar, zweithöchstes Gebäude und so… An dieser Stelle sind wir etwas böse und schummeln uns einfach in den Aufzug, statt die 600 Kronen (ca. 4 Euro pro Person) zu bezahlen. Oben dann tatsächlich ein toller Ausblick auf die Stadt – und wir bekommen direkt die Rechnung für unsere Zechprellerei serviert. Völlig unvermittelt fängt die Glocke an zu schlagen, während wir direkt darunter stehen. Uns klingeln die Ohren! 

Kleines, buntes Reykjavik

Auf dem Rückweg treffen wir die anderen drei wieder. Am Platz setzen wir uns regensicher wieder unter das Dach und kochen gemeinsam. Ein Schweizer und 3 Österreicher gesellen sich noch zu uns und wir quatschen eine Weile. Es ist richtig gemütlich, in großer Runde um den Tisch zu sitzen, in der Mitte brodeln die Kocher, jeder steuert eine Kleinigkeit zum Essen dazu und man tauscht spannende Geschichten aus. Ein toller Geburtstag!


Mittwoch, 22. August 2012

Reisetagebuch Island, Tag 8 – 21.07.2012

Wenn die Isländer eins ganz besonders gut können, dann ist das wohl Schwimmbäder bauen. Der gemeine Isländer ist eine Wasserratte und trifft sich zum quatschen und tratschen nicht an der Supermarktkasse oder in einer Kneipe, sondern setzt sich mit seinen Freunden und Kollegen in ein Becken voll warmen Wasser. Da bleibt er dann sitzen, bis er aussieht wie eine Rosine und alle Neuigkeiten ausgetauscht sind. 

Wo Wasser ist, bin ich nicht weit und so geht’s dann heute in das Schwimmbad direkt neben dem Campingplatz. Laugardalslaug ist das größte Schwimmbad der Insel mit einem Indoor- und einem Outdoorbecken mit jeweils 50m-Bahnen, einem großen Spaßbecken draußen, einer Rutsche sowie mehreren Hotpots, in denen bis zu 44°C warmes Wasser auf uns wartet. Außerdem gibt es ein Dampfbad, Wasserspielzeug für das Kind in uns, Wasserspender… Genug, um sich einen Tag hier aufzuhalten. Und so genießen wir auch alles sehr gründlich.

Bildquelle


Frisch geduscht und mit geföhnten (!) Haaren treffen wir am Zeltplatz auf Martin und Anna. Freudiges Wiedersehen! Dann geht’s kurz in die Stadt, um in einem der gestern verpassten Restaurants vegetarisch zu essen. Diesmal ist das Interieur buddhistisch angehaucht, mit dem allgegenwärtigen Bild eines Typen, der aussieht wie ein sehr alter Farin Urlaub. 



Die Currysuppe und das Linsengericht schmecken trotzdem super (auch wenn mein Magen später was anderes behauptet). 

Kurz noch ein verspätetes Mittagsschläfchen einschieben, dann geht es am späten Abend wieder in die Stadt. Ich habe mir die Bar 11 ausgesucht, um dort in den Geburtstag rein zu feiern. Martin und Anna sind leider zu müde, dafür begleitet uns Kirsten, eine weitere Reisebekanntschaft. Als wir um 23.50h ankommen, ist noch nicht viel los, was uns aber nicht daran hindert, ordentlich zu feiern. Gegen 2 kriechen dann auch langsam die Isländer aus ihren Wohnungen und wir tanzen noch eine Weile zwischen verrückten Frisuren und szenigen Flohmarktklamotten. Ein wirklich gelungener Abend. Auf dem Rückweg wird uns bewusst, wie froh wir sein können, schon aus den Bergen zurück zu sein. Die Unwetterwarnung ist Realität geworden, es stürmt und schüttet. Unserer Laune tut das keinen Abbruch. Für Isländer ist das Wetter immer gut.

Dienstag, 21. August 2012

Reisetagebuch Island, Tag 7 – 20.07.2012

Um 08.30h sammelt uns der Bus nach Reykjavik am Zeltplatz ein. Wir fahren an der Küste entlang und haben in der Ferne einen tollen Blick auf die Westmännerinseln. Die stehen allerdings nicht auf unserem weiteren Plan. Bis Montag werden wir in Reykjavik bleiben, dort dann unseren Mietwagen abholen und die folgenden 11 Tage einmal um die Insel fahren. Einen genauen Plan haben wir noch nicht, aber jetzt genug Zeit, um daran zu basteln.

Gibt schlimmere Orte, an denen man aufwachen könnte

Um 11.30h fallen wir völlig erschlagen aus dem Bus und machen uns auf den Weg zum Zeltplatz. Dort das obligatorische Aufbauen der Zelte, ein spätes Frühstück und dann fallen wir alle in einen tiefen Schlaf. Ein kurzes Nickerchen wird doch erlaubt sein? Die letzten Tage scheinen uns doch mehr in den Knochen zu stecken, als zunächst gedacht. Erst um 18 Uhr werden wir wieder aktiv.
Die zurück gewonnene Zivilisation will bestaunt werden, daher laufen wir kurz rüber in den Supermarkt. 10-11, die immer offene Supermarktkette, gehört auch zu den höherpreisigen Läden, aber das ist uns in diesem Moment egal. Brot! Schokolade! Obst! Wir entgehen nur knapp einem Kaufrausch.

Best Waffelverkaufstruck in town

Anschließend machen wir uns an den 20 minütigen Marsch Richtung Innenstadt, um dort essen zu gehen. Die vegetarischen Restaurants sind alle schon zu oder nicht mehr existent, daher suchen wir nach einer guten Alternative, die auch vegane Optionen anbietet, und werden bei einem netten kleinen Café am Laugavegur (die Haupteinkaufsstraße heißt lustiger Weise genauso wie unser Wanderweg) fündig. 3 vegetarische Burger mit Pommes sollen es sein. Es schmeckt auch ganz gut, nur die vielen Bücherregale mit christlich-religiösem Inhalt geben uns zu denken. 

Schönes Meer ist schön.



 
Als Absacker dürfen es noch je zwei Dosen Leichtbier sein, das man auf Island im Supermarkt bekommt und das mit ca. 2% Alkohol eher schmeckt wie Hopfenlimo. Wir setzen uns mit Blick aufs Meer in die Sonne, schlendern danach noch zu einem bunten, lauten Innenhoffest, bei dem man sich gratis die Haare schneiden lassen kann, und laufen dann gemütlich zurück, immer am Meer entlang. Zu müde für Party. Morgen ist auch noch ein Tag.

Montag, 20. August 2012

Reisetagebuch Island, Tag 6 – 19.07.2012

Über den Gleitscher nach Skógar - immer dem rennenden Männchen nach

Ich bin nervös. Heute geht es über einen Gletscher. 1000m hoch, morgen auf der anderen Seite 1000m wieder runter. Ich bin müde und mag keine Berge mehr hoch gehen. Lieber würde ich mich hier in den Bus nach Reykjavik setzen und da zwei Tage auf die Jungs warten. Mama hat zu Hause noch gesagt, ich soll auch mal Nein sagen, wenn es mir zu viel wird. Aber Mama ist weit weg und dann ist da diese Frau, die meine Ängste selbst kennt, die Strecke schon hinter sich hat und absolut begeistert ist. Na gut, denke ich, wird schon gehen. Also den 300kg schweren Rucksack geschultert und los geht’s. Anna und Martin haben sich auch noch spontan zu der Tour entschlossen und stoßen direkt am Start zu uns – schön!

Das kann nicht der richtige Weg sein...

Leider verlaufen wir uns erstmal. Als wir den Weg endlich finden, geht es nur noch bergauf. Es geht immer hoch durch das so genannte „Gottesland“. Die Landschaft trägt diesen Namen zu Recht: sattes Grün erstreckt sich, so weit man gucken kann. Meistens ist das nicht allzu weit, wir sind schließlich in den Bergen, aber toll ist es. 

Über schmale Pfade durchs Gottesland



Nur macht mir der steile Aufstieg zu schaffen, die oft rutschigen Hänge machen mich nervös, an Stellen, die mit Seilen ausgestattet sind, zweifel ich an meiner Trittsicherheit und bei einer besonders langen Steigung kommen uns Steine entgegen. Und es wird neblig. Und ich hab keine Lust mehr. Irgendwie klappt es trotzdem, klar. Aber ich wünsche mir nicht nur einmal, auf Mamas Worte gehört zu haben.



Der Nebel klebt zwischen den Gipfeln und erzeugt eine winterliche und gespenstische Atmosphäre. Irgendwo höre ich einen Wasserfall, aber die Suppe ist zu dicht um was zu sehen. Dann erreichen wir den Gipfel, durchqueren mehrere große und kleine Eisfelder und kommen dann an die Stelle, an der die Lava des Eyjafjallajökull austrat. Der Boden ist immernoch warm! Kurz vergesse ich meine schlechte Laune, denn DAS ist jetzt mal wirklich beeindruckend. Immer wieder ist man doch sehr ehrfürchtig hinsichtlich der Sachen, die diese Natur so kann…

Lava im Nebel

Warm wie eine Bodenheizung im Winter

Weiter geht es durch ein bizarres Lavagebiet, Schneefelder mit tiefen, tiefen Löchern und natürlich Nebel, bis endlich die Nothütte auftaucht. Unsere Herberge für die kommende Nacht. Mir tut alles weh, ich bin erschöpft und hungrig und schon als Patrick vor 8 Jahren hier war, war die Hütte eine willkommene Unterkunft nach einem anstrengenden Tag. 

Den großen Aufstieg haben wir hier hinter uns.

Unser geplantes Domizil für die Nacht. Es ist ca. 16.30h...

Aber was wir hier heute finden, lädt nicht unbedingt zum Bleiben ein. Es stinkt nach Urin und Muff, die Wände schimmeln und das Klohaus ist eingetreten. Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll, und da hilft dann nur eins, immer: essen. In winterlicher Atmosphäre hauen wir uns draußen bei Eiseskälte die Bäuche voll und ziehen dann schnell weiter, runter von diesem Berg, raus aus der Suppe, mit Vorfreude auf einen Zeltplatz im Tal. Ganz bald erreichen wir einen Fluß, der uns bis zum Ziel in Skoga begleitet. Dort wartet der berühmte Skogavoss auf uns, aber auch unterwegs sehen wir schon absolut beeindruckende Wasserfälle, die uns die Sprache verschlagen. 





Meine Stimmung steigt mit jedem Meter, den es bergab geht. Nochmal 4 Stunden wandern, dann erreichen wir nach insgesamt 11 Stunden mit schweren Beinen die Treppe, die uns am Wasserfall entlang hinunter zum Zeltplatz führt. Wie Zombies schieben wir einen Fuß vor den anderen, wanken die Stufen herunter und lachen uns dabei schlapp. Schuhe aus, Zelt aufbauen und dann humpeln wir unter ein Vordach, um dort in Roberts Geburtstag rein zu feiern. Morgen Früh um 08.30h geht der Bus zurück in die Zivilisation.

Happy Birthday!